Sonntag, 12. Dezember 2010

Aus Gründen.

Ich könnte überall sein, wenn ich nur wollte. Nur nicht bei Dir.

Ich denke ans Meer. Es umspült meine Füße in einem warmen Blau. Einige Muscheln liegen im Sand.
Hinter mir rascheln einige Blätter im Wind und ohne mich umzudrehen, weiß ich nicht ob es Palmen sind oder doch nur die Platanen an der Ostseepromenade. Es macht keinen Unterschied. Mit einem Gedanken könnte ich sie ändern. Könnte sie in schräge Kokosnusspalmen verwandeln, deren schwere Früchte über dem Wasser hängen. Könnte Schilfrohrhütten bauen, Menschen im Sonnenuntergang tanzen lassen, an einem Feuer, über welchem frischer Fisch gart.
Oder wo ganz anders sein. In den Bergen, dick eingehüllt im Wald, in welchem sich die dicken Tannenzweige durch die Schneelast neigen.
Könnte in der Wüste sein und mit Beduinen schwarzen Tee mit Kamelmilch trinken. Den Sand zwischen meinen Händen hindurchrinnen lassen, meinen Körper in bunte Tücher gehüllt.

So ist das in meinem Kopf. Ich könnte überall sein, wenn ich nur wollte. Nur nicht bei Dir.

Samstag, 11. Dezember 2010

Kitsch. Traum. Letzte Nacht.

Dieses blau-weiße Haus in Skandinavien. Mitten in der Pampa, Kilometer bis zum nächsten Nachbarn. Ruhe, der See vor der Tür. Dein Hemd riecht nach Holz und dem Waldboden, der hier immer leicht feucht ist. Deine Unterarme sind leicht gebräunt, die Haare schimmern golden. Deine sehnigen Unterarme, die ich damals schon mochte.

Das alte große Holzbett im Schlafzimmer, alles ein wenig IKEA-Stil, doch alles selbst gebaut von Dir, robust. Das Holz selbst geschlagen. Die Fensterläden in den rostigen Angeln müssen jedes Frühjahr neu gestrichen werden. Wir haben Zeit. Viel Zeit. Wenn Du morgens mit dem Hund zur Arbeit in den Wald gehst oder zum Angeln an den See, sitze ich auf der Veranda. Schließe meine Hände um die Tasse heißen Kaffee, ziehe die Füße dicht an meinen Körper, schaue auf meine Zehen, die auf der Bank trommeln. Abends sitze ich hier mit Dir und einem Glas Rotwein, wir erzählen uns unsere Jugendsünden und lachen. Küssen uns. Lieben uns.
Wenn ich den Kopf hebe, kann ich den See sehen, ruhig und klar. Ein wenig Nebel. Idylle.

Meine Schritte knarren auf den Dielen, als ich zurück ins Haus gehe. Der Teppichboden vor dem Kamin ist durchgelaufen, eines Morgens haben wir hier zur Radiomusik getanzt. Wir dachten, wir könnten nie glücklicher sein. Haben gezweifelt, ob wir das alles verdienen. Das Glück. Uns.

Ich setze mich an den Schreibtisch und schreibe. Briefe, lange Briefe, an alle Menschen, die ich liebe, neben Dir. Eine Träne tropft auf die frische Tinte.

Ich wache auf.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Eine Frage ist ein Satz, der gestellt wird, um eine Leere zu füllen.

Nur eine Antwort. Eine Antwort. Ja oder nein. Etwas, was die Zukunft entscheidet, wie sonst nur die Zukunft entscheidet.

Kann ich bitte, bitte, bitte einmal im Leben bekommen, was ich wirklich, wirklich, wirklich will?

Drückt mir die Daumen. Morgen um 10:15.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Was ist, wenn nichts mehr ist...

Oder auch: Das Ende ist mein Anfang.

Du stirbst aus Mangel an Freiheit wie eine Kerze unter dem Glas. Kaltes Wachs ist alles was bleibt, keine Spur einer Flamme. Es geschieht lautlos. Das letzte Aufflackern der Flamme, durch das Glas sieht jeder den Todeskampf.
Damals im Physikunterricht lief es mir kalt den Rücken runter als der Lehrer so demonstrierte, dass Feuer ohne Sauerstoff nicht brennen kann. Das es erlischt. Vergeht. Stirbt.

Viel zu oft sehe ich in den Gesichtern meines Umfelds diesen Kampf. Sie scheinen es selbst nicht zu bemerken. Scheinen nicht zu spüren, dass sich das Glas aus Stress des Alltags über sie stülpt. Die Lebensfreunde mit sich nimmt und all die Zeit. Das langsam das Feuer der Leidenschaft für das eigene Leben erlischt und Dunkelheit sich über alles legt.

Diese Dunkelheit - das bin nicht ich. Ich wollte schon immer große Lieben, bin jedes große Risiko eingegangen und ich kenne das Leid, das untrennbar damit verbunden ist. Dennoch - ich würde immer lieber auf dem Schlachtfeld des Lebens verbluten als in meiner Rüstung 100 Jahre alt zu werden, ohne die Möglichkeit zu haben, dass mich jemand wirklich berühren kann.

Dieses Leben ist alles was ich habe. Es ist nicht das Ziel unversehrt nach dem Tod ins nächste Level zu starten. Viel mehr ist das Ziel, Fehler zu machen, zu lernen, verletzt zu werden und zu heilen, zu wachsen und nicht aufzugeben. Zu erkennen. Zu lieben. Geliebt zu werden. Leidenschaft zu empfinden, für alles, was man tut. Zeit zu haben, für die Dinge, die wirklich wichtig sind. Niemand erinnert sich nach meinem Tod, dass meine Wohnung stets aufgeräumt war, aber sie erinnern sich vielleicht an das Mädchen, welches stets glaubte, dass Langeweile in einer Welt voller Wunder unmöglich ist und das jeder einzelne Tag sich lohnt.

Donnerstag, 18. November 2010

Zimtblut.

Manche Menschen scheinen geboren zu werden und vom ersten Augenblick an zu leuchten. Es scheint so, als hätten sie eine weitere Zutat in ihrem Blut, so dass nicht nur diese rote Flüssigkeit durch sie hindurchrauscht, sondern mehr. Etwas, was sie unterscheidet von der grauen Masse, aber nicht durch ihren aufgesetzten Individualismus, sondern von jeher und so selbstverständlich, dass es auf den ersten Blick kaum auffällt.

Bei meinem ersten, morgendlichen Kaffee gebe ich zu dem Pulver vor dem Kochen immer ein wenig Zimt dazu. Nur ein Hauch, nur bei der ersten Tasse und dennoch schmeckt der Kaffee anders. Weicher. Sinnlicher. Obwohl es also nur eine Prise ist, ist das Ergebnis völlig anders. Man sieht es dem Kaffee nicht an, erst wenn man nah genug mit dem Mund an die Tasse kommt, bemerkt man den Unterschied. Aber dann mit voller Wucht und mit allen Sinnen.

Ich glaube, bei deinem Blut ist das genauso. Du bist ebenfall sinnlicher und weicher. Kreativer. Tiefgründiger. Du schmeckst nach Freiheit und deine Haut trägt den schweren, würzigen Geruch von vergangenen Spätsommern. Dein Herz hat einen eigenen Takt, genau wie dein Leben und manchmal kommt es vor, dass dieser Takt ein wenig zittert, stolpert, hängt. Deine Welt gerät scheinbar ohne Grund kurz aus den Fugen, das Universum in deinem Kopf kippt auf die schwarze Seite, dein Herz schaut ratlos zu. Du fragst Dich lange schon, warum das so ist - auch als ich noch deine Rockgöre, deine beste Freundin, dein Halt, dein Seelentröster war.

Heute morgen bin ich aufgewacht und wusste den Grund.
Du hast weder Zimt im Blut, noch Vanille, noch Pfeffer. Kein Gewürz. Auch keinen Sternenstaub oder ähnlichen Kitsch.
Es sind all deine vergangenen Leben, die Du immernoch in Dir trägst. Nicht als Vergangenheit im Kopf, nicht als Bilder auf der Seele. In kleinen Stücken fließen sie noch in Dir, geben Dir deine Tiefgründigkeit, deinen wissenden Blick, deine wahre Lebenskunst, dein warmes Herz.
In den Momenten, in denen deine Seele sich schüttelt, dein Universum kippt, deine Welt bebt, in solchen Momenten, treffen zwei dieser Stücke in deinen Blutbahnen aufeinander. Saugen sich kurz an, passen perfekt ineinander, erzeugen ein kurzes Aufleuchten des Bildes in deinem Blut und schon zieht der Strom sie wieder auseinander. Sie treiben weiter und vielleicht finden sie sich nie wieder, aber der Eindruck des Bildes hallt in Dir nach.

Zurück bleibt Verwirrung und der bittere Geschmack der Vergangenheit in deinem Mund. Das diffuse Gefühl, dass etwas passiert ist. Sich etwas geändert hat. Du in der falschen Zeit am falschen Ort die falsche Person bist.

Dabei bist Du so richtig, wie man nur sein kann.

Donnerstag, 11. November 2010

How are you? As usual: I am absolutely fucking fine.

Ich habe wieder Internet. Unglaublich wie süchtig man ist, wenn man in einer Stadt wohnt, in der man nicht wohnen möchte. Mit einem Loch im Herzen, das man nicht haben möchte. Mit Freunden, die man hier haben möchte und die überall sind, nur selten hier.

Sucht oder Liebe?
Also sitze ich hier und denke über Liebe nach und Sucht und weiß, dass beide nicht weit entfernt sind, irgendwo hier, in der Nähe. Um mich herumwabbernd wie schwerer Nebel und ich fürchte, je nachdem in welche Richtung ich meinen Kopf drehe und je nachdem welche Luft ich dann einatme, atme ich entweder Liebe oder Sucht.Welche Auswirkungen das hat? Keine Ahnung. Doch mich beschleicht die Angst, kribbelt in meinem Nacken : ich werde es erleben. Müssen.

Und währendessen ich darauf warte, weiß ich  nicht ob meine Liebe eine Sucht ist und ob ich dann süchtig nach Dir oder süchtig nach Liebe wäre und wie das wohl wäre, wenn ich süchtig nach Liebe wäre, welchen Schuss ich mir dann setzen könnte um kurzzeitig Linderung zu spüren und und und...

So oft "und" und soviel Liebe und soviel Sucht, ich gehe mich ausruhen. Von der Liebe. Von der Sucht. Und vom Leben.